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Umgebung

Im Gemeindegebiet von Bollullos de la Mitación liegen viele mittelalterliche Dorfwüstungen. Hier ist zu erkennen, wie Siedlungen aufgegeben und an neuen Orten konzentriert wurden, wie es für das Spätmittelalter typisch ist. Im Projekt ist es uns gelungen, 13 dieser Ortslagen im Gelände zu lokalisieren: Aljubén, Benajiar, Buyena (Boyana), Juliana, Monasterejo, Palmaraya, Rebujena, Rianzuela, Torrearcas, Torreblanca, Torrequemada und Cuatrovitas. Sie alle wurden zwischen dem Beginn der christlichen Eroberung (Mitte des 13. Jahrhunderts) bis spätestens zum ausgehenden 15./ beginnenden 16. Jahrhundert verlassen, als sich die verbliebene Bevölkerung schließlich nur noch in Rianzuela und Bollullos niederließ.

Die auslösenden Faktoren für die Aufgabe der Dörfer waren vielschichtig. Ein Großteil wurde schon zur Mitte des 13. Jahrhunderts verlassen, als die Landbevölkerung gezwungen war, sich dem tiefen kulturellen Wandel vom Islam zum Christentum zu unterwerfen. Auch politisch-militärische Ereignisse  trugen mit ihren äußerst negativen Auswirkungen maßgeblich dazu bei:

01
Die Feldzüge während der christlichen Eroberung (die Aljarafe fiel zu einem unbekannten Datum zwischen 1248 und 1252 endgültig in christliche Hände) waren in nicht wenigen Fällen von Brandschatzung der Kulturlandschaft begleitet. Für die Oliven- und Feigenplantagen mit ihrem alten Baumbestand bedeutet das einen Ernteausfall für mehrere Jahrzehnte, bis die Produktivität schließlich wiederhergestellt war.
02
Zu den Kriegsfolgen kam die immense Ausdehnung des bereits zuvor zwischen 1236 (Córdoba) und 1248 (Sevilla) durch die kastillischen Truppen eroberten Landstriches. Die Größe dieser Fläche erschwerte die christliche Aufsiedlung ebenfalls maßgeblich.
03
Die heftigen Revolten der Mudejaren (unter christlicher Herrschaft lebende Muslime) zwischen 1264–66 führten nach der Niederschlagung zur Vertreibung dieser Bevölkerungsgruppe.
04
Die Meriniden (eine nordafrikanische Dynastie mit Hauptresidenz in Fes/Marokko) attackierten den kaum beruhigten Landstrich zwischen 1275 und 1288 erneut.
05
Im ausgehenden 15. Jahrhundert und besonders unter der Herrschaft der Katholischen Könige kam es zu staatlichen Bemühungen, die Bevölkerung an strategisch wichtigen Punkten entlang der Hauptverkehrsachsen zu konzentrieren. Wahrscheinliche sollte damit die Kontrolle über juristische, steuerliche und religiöse Vorgänge in den Dörfern deutlich verbessert werden. In einer regelrechten Entvölkerungswelle wurden die Dörfer verlassen und schrumpften auf einzelne Haciendas zusammen. Von ihnen aus organisierte man die weitere Bewirtschaftung der Felder und Haine. Diese Dynamik setzte sich bis in die Frühe Neuzeit fort und war noch im ganzen 16. Jahrhundert deutlich zu spüren.

Zusammenfassend betrachtet kam es zwischen der islamischen Herrschaftszeit (711 bis 1248/1252) und der spätmittelalterlichen christlichen Epoche (1248/1252 bis 1500) zu einem grundlegenden Wechsel in der Bevölkerungsstruktur der Aljarafe ‒ sowohl im Großen als auch im Kleinen, wie z. B. im Gemeindegebiet von Bollullos de la Mitación. Cuatrovitas wurde verlassen, genau wie die meisten der umliegenden Dörfer, so Buyena, Juliana, Lopas, Monasterejo oder Rebujena. Einige Ansiedlungen, die in Sevillaner Kirchenbesitz waren, wie Gelo la Mayor oder Rianzuela, überdauerten, bevor sie sich nach ihrem Verkauf im 16./17. Jahrhundert an Privateigner ebenfalls zu Haciendas verkleinerten.

Umgebungskarte mit Ansiedlungen zur Almohadenzeit

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